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Junge Frau hält sich gestressst die Ohren zu

Achtsamer Umgang mit Hochsensiblen

ArtikelLesezeit: 2:00 min.

Ob in der Familie, unter Freunden oder am Arbeitsplatz: Wer im Alltag mit hochsensiblen Menschen zu tun hat, kann mit viel Achtsamkeit und Verständnis für einen behutsamen Umgang miteinander sorgen.

Was bedeutet es, hochsensibel zu sein?

Es gibt Menschen, die besonders empfindlich auf äußere Reize reagieren. Sie gelten als hochsensibel. Hochsensible haben besondere Charaktereigenschaften: Sie nehmen die Welt um sich herum sehr viel feinsinniger wahr und verarbeiten Reize viel intensiver als der Durchschnitt. Sie reagieren auf enge Räume, Menschenmassen, helles Licht, Gerüche oder Lärm. Auch ihren Körper und innere Reize spüren sie viel intensiver, seien es Emotionen wie Wut oder Aufregung oder auch Berührungen, Schmerz oder Appetit. Sie haben sehr viel Vorstellungskraft.

Hochsensibilität, im medizinischen Kontext auch Hochsensivität genannt, ist keine psychische Erkrankung, sondern ein besonderes Merkmal der Persönlichkeit. Aus psychologischer Sicht ist das Konzept der Hochsensibilität noch relativ neu. Die Psychologin Elaine Aron prägte 1996 den Begriff. Sie beschrieb Hochsensibilität als ein Temperamentsmerkmal mit vier Ausprägungen:

  • Tiefe der Wahrnehmungsverarbeitung
  • Schnelle Überreizung
  • Emotionale Empfänglichkeit
  • Klares Gespür für feine Reize

Hochsensiblen Menschen fehlt häufig der Filter, um Sinneseindrücke oder unangenehme Eindrücke an sich abprallen zu lassen. Das kann zu Überforderung und Stress führen. Außerdem sind sie anfällig für Stimmungen und leiden mehr als andere unter unfairen Verhaltensweisen, Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten, sowohl im Privaten als auch in der Welt. Sie tun sich eher schwer, sich in neuen Umgebungen wohlzufühlen und neigen zur Zurückhaltung im direkten Kontakt mit neuen Menschen. Gleichzeitig haben viele von ihnen aber auch besondere Stärken: Sie sind sehr empathisch, kreativ, detailgenau und folgen gerne ihrer Intuition.

Experten vermuten, dass rund 15 bis 20 Prozent aller Menschen hochsensibel sind. Wer die eigene Hochsensibilität erkannt hat, kann darauf achten, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und anzuerkennen und seine Grenzen nicht zu überschreiten. Auch regelmäßige Entspannungspausen sind wichtig.

Hilfreich ist aber auch, sein Umfeld aktiv davon in Kenntnis zu setzen und über die besonderen Empfindungen und Gefühle zu sprechen. Denn nur dann können die Mitmenschen mit Empathie und Achtsamkeit darauf eingehen.

Wie du hochsensible Menschen im Alltag unterstützen kannst

Rücksichtnahme ist ein wichtiger Punkt im Miteinander mit Hochsensiblen. Wer von der Hochsensibilität von Partnern, Kindern, Freunden, Kollegen oder andere Personen weiß, kann besser auf sie eingehen, um ihnen den Alltag zu erleichtern. Und: Steht diese Person unter Stress, kann sie zu Überreaktionen neigen, was sich wiederum negativ auf die allgemeine Stimmung und das individuelle Wohlgefühl der Beteiligten auswirken kann.

Beim Umgang mit hochsensiblen Menschen kannst du Folgendes versuchen:

  • Nicht zu viel Druck aufbauen: Zu enge Zeitvorgaben oder eine zu hohe Erwartung an das Sozialverhalten der hochsensiblen Person können zusätzlichen Stress verursachen. Angebote, sich einzubringen, sind willkommen, aber es sollte lieber in Richtung Freiwilligkeit gehen.
  • Grenzen respektieren: Über den eigenen Schatten zu springen und der eigenen Stärke und Kraft zu vertrauen, fällt Hochsensiblen schwer. Deshalb sollten sie darin bestärkt werden, sich ab und an etwas zu trauen, aber niemals gezwungen werden.
  • Pausen erlauben, Rückzugsräume geben: Hochsensible brauchen mehr Ruhephasen und auch mal Zeit für sich allein. Das sollte das Umfeld in verträglichem Maß respektieren. Viele bevorzugen auch flexible Arbeitszeiten und das Arbeiten im Homeoffice.
  • Genau hinhören und exakt ausdrücken: Hochsensible fühlen sich häufig von ihrer Umwelt missverstanden. Und genauso häufig verstehen sie Dinge anders, als sie eigentlich gemeint sind, weil sie interpretierbare Zwischentöne besonders fein wahrnehmen.
  • Kritik ja, aber sanft: Hochsensiblen fehlt es manchmal an Selbstbewusstsein. Sie nehmen die Beurteilung durch andere sehr ernst und schwer und denken sehr lange über das Gesagte nach.
  • Wertschätzung geben: Hochsensible blühen besonders auf, wenn sie sich geborgen und gemocht fühlen. Sie mögen außerdem tiefgründige Gespräche mit emotionaler Tiefe.

Harmonisches Zusammenleben mit Hochsensiblen – so gelingt es

Hochsensible ziehen sich manchmal zurück, wenn Geräusche, Gespräche oder Stimmungen zu intensiv werden. Das heißt nicht, dass du etwas falsch gemacht hast oder der Rückzug dir gilt.

Liegt etwas in der Luft, wittern sie ziemlich sicher etwas davon. Deshalb solltest du mögliche Konflikte lieber offen ansprechen, anstatt sie zu unterdrücken. Vor wichtigen Entscheidungen ist es sinnvoll, die hochsensible Person nach ihrem Bauchgefühl zu fragen, denn auch das spürt sie sehr intensiv.

Veränderungen sind ein großes Thema für Hochsensible. Mit neuen Tagesabläufen, Reisezielen oder Ordnungssystemen können sie erst einmal nicht so gut umgehen. Gib ihnen Zeit und vermeide allzu spontane Aktionen.

Und auch große Partys mit vielen (fremden) Menschen liegen ihnen vielleicht nicht so. Deshalb überlegt gemeinsam, wo ihr zusammen hingehen könnt oder vielleicht auch mal lieber getrennt, damit jeder den Abend auf seine Weise genießen kann.

Das Zusammenleben mit einem hochsensiblen Menschen kann sehr intensiv sein, weil tiefe Liebe, viel Empathie und eine besondere Wahrnehmung im Spiel sind. Gleichzeitig bedeutet es die Bereitschaft, sich als Partner oder Partnerin, als Familie oder Freunde auf eine gewisse Rücksichtnahme einzulassen. 

Achtsamkeit hilft dir, dich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren, statt über Fehler der Vergangenheit oder mögliche Probleme der Zukunft nachzudenken. So kannst du mit mehr Gelassenheit auf Herausforderungen reagieren. Hier findest du zahlreiche Übungen, mit denen du deine Achtsamkeit trainieren kannst.