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Frau mit Laptop hängt ihren Tagträumen nach

Job Crafting: neue Lust an der Arbeit

ArtikelLesezeit: 4:00 min.

Dein Job passt nicht mehr so richtig zu dir? Das muss nicht sofort die Kündigung bedeuten. Job Crafting heißt, die eigene Arbeit selbstbestimmt zu gestalten. Gemeinsam mit Expertin Ragnhild Struss erklären wir, was dahintersteckt und für wen es das Richtige ist.

Veränderung statt Kündigung: Beim Job Crafting gestalten Arbeitnehmer ihren Job proaktiv neu. Mit gezielten Methoden werden aus unzufriedenen Mitarbeitern wieder zufriedene – das fördert nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern schließlich auch den Erfolg des Unternehmens.

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Ragnhild Struss

Expertin für Beratung und Coaching mit den Schwerpunkten Persönlichkeitsentwicklung, Karriere und Berufsorientierung. Sie berät Unternehmen, Führungskräfte, Berufserfahrene und -einsteiger.
Daneben teilt sie ihr Wissen in Workshops und Seminaren, in ihrem Buch, als Speakerin und ihrem Podcast. © Florian Janssen

Job Crafting als Methode: Was steckt dahinter?

Job Crafting heißt sinngemäß: „die Arbeit zu gestalten“. Der Begriff stammt aus der Wirtschafts- und Arbeitspsychologie.

„Die Kernidee ist, dass jeder kleine Anpassungen am Job vornehmen kann“, sagt Ragnhild Struss. Arbeitnehmer gestalten beim Job Crafting das inhaltliche und soziale Arbeitsumfeld aktiv mit, definieren ihr Rollenverständnis neu und steigern dadurch ihre Motivation. Ziel ist es, die Job-Person-Passung zu verbessern. „Einfach ausgedrückt bedeutet Job Crafting: Du machst aus dem Job, den du hast, den Job, den du willst.“

Unzufrieden im Job – aber was passt eigentlich zu mir?

„Neben seinen Stärken, Fähigkeiten und Interessen hat jeder Mensch in Bezug auf seine Arbeit bestimmte Bedürfnisse, Präferenzen und Wünsche.“ Um den Job den eigenen Bedürfnissen anzupassen, gilt es diese aber zunächst zu identifizieren – und das ist manchmal gar nicht so leicht. „Die eigenständige und detaillierte Auseinandersetzung mit der eigenen Job-Person-Passung ist kein erlerntes Konzept“, so Struss. „Vielen hat nie jemand beigebracht, wie das geht: herauszufinden, wer ich bin, was ich kann und was deshalb beruflich zu mir passt.“ Daher bedürfe es eines konkreten Leitfadens, mit dem „jeder auf der Basis einer tiefgehenden Persönlichkeitsanalyse herausfindet, was er braucht, um nachhaltig zufrieden zu arbeiten.“

Die sich daraus ergebenden Maßnahmen können ganz unterschiedlich aussehen. „Für die einen sind das abwechslungsreiche Aufgaben, flexible Arbeitszeiten und viel Freiraum in der Gestaltung ihrer Tätigkeiten, für die anderen sind es feste Strukturen, regelmäßige Feedbackgespräche und ein höhenverstellbarer Schreibtisch.“

Arten von Job Crafting

Experten definieren drei grundlegende Hebel für Job Crafting:

  • Physische Komponente:
    Beim sogenannten Task Crafting passen Arbeitnehmer die Inhalte ihres Jobs an, indem sie Art, Umfang, Reihenfolge oder Anzahl der Aufgaben verändern, Verantwortlichkeiten innerhalb des Teams anders verteilen oder ihren Zeitplan neu arrangieren. Sie stellen sich Fragen wie: Gibt es Aufgaben, die ich lieber übernehmen möchte als meine jetzigen? Mit welchen To-dos tue ich mich schwer und warum? Gibt es einen Kollegen, dem diese Aufgaben besser liegen?
  • Kognitive Komponente:
    Beim Cognitive Crafting lernen Arbeitnehmer, ihren Blick auf die Arbeit zu verändern. Mit gezielten Coaching-Methoden sollen laut Struss „das eigene Energiemanagement oder auch die innere Einstellung zur Arbeit“ verbessert werden. Hier ist ein Perspektivwechsel gefragt, um die Aufgaben in einem größeren Zusammenhang zu sehen: Warum ist meine Arbeit für mich nicht mehr erfüllend? Und: Wie kann ich das ändern? Im Idealfall geht damit neue Sinnstiftung einher.
  • Soziale Komponente:
    Beim Relational Crafting verändern Arbeitnehmer ihre Beziehungen und Interaktionen mit anderen Menschen im Arbeitsumfeld. Sie fragen sich: Mit wem arbeite ich zusammen, kann ich diese Zusammenarbeit optimieren und wenn ja, wie? In welchen Teams und an welchen Projekten würde ich in Zukunft lieber arbeiten?

Job Crafting in der Praxis: Wie fange ich an?

Struss‘ Ansatz für den Job-Crafting-Prozess besteht aus fünf Schritten:

  1. Standortanalyse
  2. Erkundung der Persönlichkeit
  3. Erforschung des Traumjobs
  4. Ableitung der entsprechenden Job-Crafting-Maßnahmen
  5. Umsetzung des Aktionsplans

Wie aber finde ich heraus, welche Möglichkeiten ich habe und in welchem Rahmen ich meinen bestehenden Job überhaupt verändern kann? Konkret lässt sich das nur in Zusammenarbeit mit Führungskräften und HR-Abteilung erschließen. „Wenn du herausgefunden hast, an welchen Stellschrauben du drehen musst, um deine Job-Person-Passung zu erhöhen, kannst du gemeinsam mit deinem Team konkrete Schritte abstimmen.“

Wichtig ist: Arbeitnehmer sollten das proaktiv angehen. In den wenigsten Unternehmen schlägt eine Führungskraft es dem Angestellten vor. Manchmal fällt es aber gar nicht so leicht, auf den Vorgesetzten zuzugehen und Wünsche offen und ehrlich zu kommunizieren. „Veränderung kostet Kraft und häufig stehen auch Ängste oder ungesunde Gewohnheiten im Weg“, so Struss. „Dann suchst du unbewusst nach Gründen, warum eine Veränderung nicht möglich ist – ‚Die Chefin genehmigt das nicht‘ oder ‚Das wurde hier schon immer so gemacht, das brauche ich gar nicht erst anzusprechen‘.“ Diese Hürde gilt es zu überwinden. „Denn es gibt genug handfeste Argumente, die auch Führungskräfte überzeugen, dem Job Crafting eine Chance zu geben.“

Vorteile von Job Crafting für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Positive Effekte von Job Crafting können sein: mehr Zufriedenheit, weniger Stress, geringere Erschöpfungs- und Burnout-Gefahr, bessere psychische und körperliche Gesundheit und dementsprechend auch weniger Kündigungsabsichten. Auch für Arbeitgeber ist das sinnvoll, denn „erfülltere und zufriedenere Angestellte sind leistungsfähiger und weisen eine höhere Identifikation mit dem Unternehmen auf“, sagt Struss. „Job Crafting ist also auch ein Werkzeug, um qualifizierte Fachkräfte langfristig ans Unternehmen zu binden, was wiederum wirtschaftliche Vorteile bringt. Wenn Entscheidungsträger von Anfang an in das Job-Crafting-Vorhaben eingebunden werden, ist die Chance groß, dass sie diese Bemühungen als Teil der Karriereentwicklung anerkennen und fördern.“ Ein weiteres Plus: Anders als manch andere Methode aus dem New-Work-Bereich lässt sich Job Crafting nicht nur in Bürojobs, sondern in vielen verschiedenen Berufen umsetzen.

New Work: Arbeit neu denken

Struss ist überzeugt, dass es für jeden den richtigen Platz gibt: „Vielleicht werden am Ende des Job-Crafting-Prozesses nicht alle in ihrem Traumjob arbeiten, aber das muss auch gar nicht das Ziel sein. Wichtig ist, dass du mit dem, was du tust, und wie du es tust, zufrieden bist. Es gibt in jeder Position einen gewissen Gestaltungsspielraum – ganz gleich ob Managerin oder Praktikant.“ In unserer sich stetig wandelnden Arbeitswelt helfe es, flexibel zu bleiben: „Ich begreife Job Crafting als eine Schlüsselkompetenz der zukünftigen Arbeitswelt, die sich jeder zunutze machen kann.“

Wann ist es zu spät für Job Crafting?

Laut Struss ist es nie zu spät für Veränderung. „Job Crafting kannst du in jedem Alter und an jedem Punkt im Berufsleben anwenden. Ich höre in Workshops immer wieder: ‚Ich muss nur noch zehn Jahre bis zur Frührente durchhalten, da lohnt sich das nicht.‘ Aber ich bin doch lieber zehn Jahre lang zufrieden als unzufrieden!“ Auch mit 60 sei es noch möglich, den Job zu verändern oder gar zu wechseln. Und selbst Rentner können mit Job Crafting herausfinden, „wie sie ihre Zeit, ihre Aufgaben und ihr Leben dahingehend verändern können, dass sie zufriedener mit ihrem Alltag sind.“

Und wann ist eine Kündigung doch die bessere Entscheidung?

Positionen lassen sich jedoch nur bis zu einem gewissen Grad verändern. Und in manchen Arbeitsverhältnissen passen Dinge so grundlegend nicht, dass Angestellte wenig eigenen Gestaltungsspielraum haben. „Wenn mehrere Versuche, die Arbeitsbedingungen, Arbeitsbeziehungen oder Aufgaben zum Positiven zu verändern, gescheitert sind, ist es an der Zeit, sich neu zu orientieren. Gleiches gilt für Faktoren, die sich nicht ändern werden: eine ungesunde Unternehmenskultur, anhaltende Überlastung, ein cholerischer Vorgesetzter oder mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten.“ Wer in einer Position verharre, die den eigenen Werten widerspricht, verliere unnötig Energie und schade letztlich sich selbst und dem Unternehmen. „Dann solltest du nicht zögern und den Schritt in Richtung Neuanfang wagen. Schließlich hat jeder Mensch das Recht darauf, im Beruf zufrieden zu sein“, sagt die Jobexpertin.

An manchen Tagen brauchen wir im Job einen mentalen Rückzugsort, um uns vor Stress oder Überforderung zu schützen: Wie du diesen Rückzugsort in dir selbst erschaffst, lernst du in der gib8-Podcast-Reihe mit Achtsamkeits-Coach Angela Homfeldt.