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Krebskranke Frau mit Kopftuch

Leben mit Krebs: Mehr Lebensqualität durch Achtsamkeit

ArtikelLesezeit: 2:00 min.

Jede Minute wird in Deutschland die Diagnose Krebs gestellt. Für Betroffene bedeutet das körperlich und seelisch eine enorme Belastung. Achtsamkeit kann dabei helfen, besser mit Diagnose, Symptomen und Nebenwirkungen der Therapie umzugehen – und die Lebensqualität zu steigern.

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Die Expertin zum Thema

PD Dr. Petra Voiß

Ärztliche Leitung Integrative Onkologie an den KEM
Evang. Kliniken Essen-Mitte

„Die Diagnose Krebs ist wie ein Erdbeben: Viele Patienten werden davon überrascht, sind überwältigt und gehen dann schnell in den Kampfmodus“, erzählt PD Dr. Petra Voiß. Oft bleibt wenig Raum, um den ersten Schock zu verarbeiten. Die Ärztliche Leiterin der Integrativen Onkologie an den KEM | Evang. Kliniken Essen-Mitte betreut seit vielen Jahren ambulant Krebspatienten und forscht unter anderem zum Thema Akupunktur in der Onkologie, also der Behandlung von Krebs.

Die Integrative Onkologie kombiniert Behandlungswege der klassischen Medizin und ergänzende, sogenannte komplementäre, Verfahren wie der Naturheilkunde. Dazu gehören etwa Akupunktur und Achtsamkeit. Die Kombination dieser Behandlungsarten kann Krebspatienten dabei helfen, besser mit Beschwerden ihrer Erkrankung und mit den Nebenwirkungen von Chemotherapie oder Bestrahlung zurechtzukommen. Naturheilverfahren können die Lebensqualität in vielerlei Hinsicht verbessern: Die Patienten fühlen sich körperlich und mental gestärkt und achten besser auf sich. Sie ernähren sich beispielsweise bewusster und können Ängste und Schmerzen etwa durch Meditation und Entspannungsübungen begrenzen.

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„Die Diagnose Krebs ist für viele Patienten wie ein Erdbeben.“

Achtsamkeit hilft bei Fatigue und Erschöpfung

Für die Patienten selbst gehe es aber meist noch um etwas anderes, sagt Voiß: „Sie wollen etwas tun! Wir dürfen nicht unterschätzen, wie wichtig es ist, dass Patienten aktiv zu ihrer Genesung beitragen können und das Gefühl bekommen, das Zepter wieder selbst in die Hand zu nehmen.“ Sich hilflos zu fühlen, macht auf Dauer zusätzlich krank. „Außerdem lernen die Patienten durch Achtsamkeit, im Hier und Jetzt zu sein, den Moment bewusst mit allen Sinnen zu erleben und so negativen wie positiven Gefühlen zu begegnen“, so Voiß. „Das kann helfen, die Krankheit besser anzunehmen und Ängsten, Stress und depressiven Verstimmungen entgegenzuwirken.“

Was bedeutet integrative Medizin?

Die Integrative Medizin ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Schulmedizin und Komplementärmedizin kombiniert. Unter Schulmedizin werden klassische Behandlungswege verstanden, beispielsweise Chemotherapie oder Bestrahlung. Die Komplementärmedizin, umfasst ein breites Spektrum von Behandlungsmethoden, die ergänzend eingesetzt werden. Dazu zählen im Wesentlichen wissenschaftlich geprüfte naturheilkundliche Therapien, die die (Selbst-)Heilungsvorgänge des Organismus unterstützen – zum Beispiel Mind-Body-Medizin (MBM), Traditionelle chinesische Medizin (TCM), Akupunktur, Pflanzenheilkunde, Osteopathie, Massagen und Nahrungsergänzungsmittel. Neben spezifischen Behandlungsverfahren sind Änderungen des Lebensstils besonders wichtig. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, Bewegung, Stressmanagement durch Achtsamkeit, aber auch einzelne Techniken wie Meditation, Yoga, Qigong, Tai Chi oder Progressive Muskelentspannung.

Ärzte wie Patienten werden immer offener gegenüber Integrativer Medizin, mehr noch: Sie fordern die Kombination von klassischer Medizin und naturheilkundlichen Methoden geradezu. Deshalb nimmt die Wissenschaft naturheilkundliche Therapien verstärkt in den Fokus. So gibt es auch zunehmend Studien, die den positiven und langfristigen Effekt von Achtsamkeit belegen. In der Behandlung von Krebs zeigen die Forschungen, dass Achtsamkeit bei Stress, Angst, Depressionen, Schlafstörungen und bei sogenannter Fatigue hilft. „Viele Krebspatienten leiden unter Fatigue, auch Erschöpfungssyndrom genannt. Sie sind müde, kraftlos und erschöpft, sodass der normale Alltag kaum mehr zu bewältigen ist. Die Erschöpfung bleibt, auch wenn sich die Patienten ausruhen und schlafen. Es gibt dafür aktuell keine zugelassenen Medikamente, aber Achtsamkeit zeigt hier nennenswerte Erfolge.“

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„Patienten lernen durch Achtsamkeit, im Hier und Jetzt zu sein, den Moment bewusst mit allen Sinnen zu erleben und so negativen wie positiven Gefühlen zu begegnen.“

Manche Studien lassen zudem mögliche positive Auswirkungen auf Immunsystem, Hormone, Stoffwechsel oder Entzündungen erkennen. Für Voiß ist klar: „Für mich ist eine integrative Medizin das Modell der Zukunft. Die USA ist uns hier schon einen Schritt voraus, doch es werden weltweit immer mehr ganzheitliche Ansätze, zu denen Achtsamkeit gehört, in der Medizin anerkannt. Wir stehen hier erst am Anfang.“

Auf Seite 2 erzählt eine Krebspatientin von ihren positiven Erfahrungen mit Achtsamkeit.